Stellungnahme des ADFC KV Jerichower Land zur Fortschreibung des Radwegebedarfsplan

Zunächst ist der Bedarfsplan sehr zu begrüßen, da mit der Multikriterienanalyse erstmals eine systematische Untersuchung der Straßen ohne Radwege erfolgte und eine Prioritätenliste nach objektiven Kriterien erstellt wurde.

Die Bewertungskriterien zeigen grundsätzlich die richtige Orientierung. Allerdings wäre es auch denkbar noch den Punkt „Vorhandensein von akzeptablen Alternativrouten“ aufzunehmen. Dies hätte Kriterien

bedurft, nach denen zu bestimmen gewesen wäre, bis wann eine Alternativroute zur betreffenden Bundes- Landesstraße sein kann (z.B. max. Entfernung von der Straße, maximale Umweglänge pro Kilometer etc.)

Auf diese Weise könnte man zu dem Schluss, dass z.B. an der B1 zwischen Reesen und Burg, nicht ein straßenbegleitender Radweg zu bauen wäre, sondern vorhandene, parallel verlaufende Feldwege ausgebaut werden sollten.

Problematisch ist es auch, dass das Kriterium der Kfz-Höchstgeschwindigkeiten keine Berücksichtigung gefunden hat. Hohe Geschwindigkeit in Kombination mit geringen Fahrbahnbreiten ist gefährlich und wird höchst unangenehm erlebt. Die Erfahrung zeigt, dass auf geraden Strecken besonders schnell gefahren wird. So ist die Bundesstraße 1 vom Umleitungsverkehr der Autobahn 2 z.B. sehr stark belastet. An der B1 befindet sich ein Radweg von Burg bis Heyrothsberge. Daher ist ein Neubau eines separaten Radwegs unrealistisch. Auf dieser Strecke ist Radfahren für Schwächere Radfahrer und Radtourismus zwar theoretisch denkbar, allerdings ist die gewählte Variante nicht attraktiv für den Tourismus und wird von den meisten Radfahrerinnen und Radfahrern als wenig sicher empfunden, da der motorisierte Individualverkehr nur einen sehr geringen Abstand hat.

Bei der Bedarfsplanung landet die Teilstrecke Parchen-Genthin auf Platz 2 d.h. der Zeitpunkt der Realisierung eines Neubaus ist absehbar. So kann auch mit einer Realisierung an der B107 zwischen Redekin – Jerichow bzw. Genthin Wald gerechnet werden. Sowie an der B184 Leitzkau bis zum Abzweig Dannigkow. Hier bedarf es deshalb eines Radweges um diese Regionen touristisch zu erschließen.

Des Weiteren landete der Radweg an der B71 die Teilstrecke Vahldorf-Wedringen auf Platz 8 sowie auf Platz 7 Wedringen-Haldensleben der Bedarfsplanung hier ist auch eine Realisierung absehbar. Es ist auch erfreulich, dass an der B245 am Ortsausgang Bebertal nach Haldensleben einen Radweg realisiert wird, ein Teilstück existiert bereits bis zur Anbindung der neuen B245n Umfahrung Bebertal. Hier sollte zügig weiter gebaut werden. Damit auch Radverkehr zügig und sicher nach Haldensleben fahren kann.

Nichts desto trotz machen die Bedarfsermittlung und die Prioritätenliste deutlich, dass insgesamt ein sehr hoher Bedarf am Neubau von Radwegen entlang von Bundes- Landesstraßen besteht. Auch entwickeln sich neue Wertigkeiten, wie z.B. an die Bürgerinitiative pro Radweg zwischen Parchen und Genthin, die in der

Bedarfsplanung keine Berücksichtigung finden.

Andere Beispiel sind der Radweg an der B245 Bebertal – Klausort und an der B245 Bebertal – KnB245/B1.Auch die Radwege KN B245/B1-OE Brumby sowie B1 KN L24 Bornstedt- Eichenbarleben sollten in vordringlichen Bedarf eingestuft werden.

Ähnliches gilt für die Landesstraßen. Die Prioritätenliste ist eine Verbesserung gegenüber der jetzigen Situation. Es bleiben aber Bewertungen, die nicht nachvollzogen werden können. Der ADFC wünscht sich deshalb die Veröffentlichung der gesamten Untersuchung um die Bewertungen im Einzelnen nachvollziehen zu können.

Beispielsweise stellen sich Fragen wie:

1. Warum steht die L54 von Klietznick- KN B107/ L54 in der Liste so weit hinten?

2. Warum steht die L52 zwischen Burg und Niegripp in der Liste auf einem hinteren Platz?

3. Warum wird der L24 keine so große Bedeutung zu gemessen? Es ist die längste Landesstraße im Bördekreis

Hier hat sich bereits eine Bürgerinitiative gegründet. Die pro L24 bestehende Forderung der Gemeinden in Bösdorf, Rätzlingen und Kathendorf jetzt ein Radweg, da besteht keiner. Hier sollte eine Einstufung in vordringlicher Bedarf erfolgen.

4. Warum wurde die K1106 von Uthmöden – Klüden nicht mit aufgenommen?

Die Untersuchung zeigt auch, dass der Ausbau von Radwegen völlig unterfinanziert ist. Mit 1.Mio Euro jährlich dem Haushaltsansatz für Radwege an Landesstraßen können max. 5-10 km Radweg zugebaut werden. Gemessen an den Bedarfsplan dauert dies bis 100 Jahre bis der abgearbeitet ist. Der Ersatzbedarf und innerorts, wo sich 90% aller Radverkehrsunfälle ereignen, ist noch nicht einmal berücksichtigt. Viele der heute Lebenden werden also den Bau von wichtigen Radwegen nicht mehr erleben.

Die neue Landesregierung sollte daher aus dieser Analyse ihre Schlüsse ziehen. Die Haushaltansätze hier um ein Vielfaches erhöhen. Damit mehr für Mobilität, Gesundheit, sichere Radverkehrsanlagen und Schulwege und damit für mehr Lebensqualität gemacht werden kann. Bis dahin sollten Geschwindigkeitsbeschränkungen angeordnet werden. Die ERA 2010 empfiehlt Tempo 70 auf touristisch genutzten Verbindungen.

Wünschenswert ist auch eine Evaluation der Radwegebaumaßnahmen, in dem der Radfahrerverkehr vor und nach dem Bau eines Radweges gezählt wird.